Hirsch Lemberger 2016

Wein

Wer — wie ich — Weine mit viel Biss gerne mag, der trifft mit Lemberger oder Blaufränkisch in Österreich genannte eine gute Wahl. Lemberger ist für mich der einzige deutsche Rotwein neben dem Spätburgunder, der etwas Struktur und Eleganz  verspricht. Heute bin ich im Jacques Weindepot über den Erzeuger Hirsch gestolpert, der mir bislang nichts sagte, wie die meisten seiner Kollegen aus Würtemberg. Bitte nicht als Ignoranz verstehen, aber ich hab wenig Bezug zum Ländle, anders als zu Baden oder Franken.

Der Lemberger von Christian Hirsch hat mir gut geschmeckt. Zuerst war er noch ein bisschen verschlossen, rauchig mit viel Biss. Auch der Auftakt ist bissig, etwas moussierend, pfeffrig mit nervige Säure und deutlichen Tanninen. Darunter eine leichte, beerige Süße, insbesondere Heidelbeeren. Aber auch schon ein bisschen tomatige Reife. Bitter im Abgang. Später öffnet er sich mit Kirschen und Johannisbeeren. Insgesamt ein frischer, strukturierter und stimmiger Wein. Aber nix für Schleckermäuler.

Hirsch Lemberger 2016
Qualitätswein
Deutschland/Würtemberg

Rot; Lemberger (Blaufränkisch)
13,5 % Alkohol; Ausbau z.T. im Barrique

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Pouilly-Fumé Tonelum – 10 Jahre gereift

Wein

Pouilly-Fumé kann altern. Dieses Exemplar aus dem Jahr 2009 haben wir selbst aus Frankreich mitgebracht. Wir waren in Bourges, haben die Kathedrale mit ihren schönen alten Fenstern besichtig und in der Altstadt einen kleinen Weinladen entdeckt. Ein paar anderen Flaschen haben wir im Lauf der Zeit schon lange getrunken, aber den Tonelum beschloss ich einzulagern. 2009 war ein gutes Jahr für Pouilly-Fumé und im aktuellen Kleinen Johnson steht er noch als trinkbar markiert.

Und er war tatsächlich sehr gut zu genießen, durchaus sehr reif, aber er hatte noch keinen Stich. In der Farbe goldgelb, wie ein Sauvignon Blanc eben goldig werden kann. Der Wein begrüßt einen mit wuchtigen, milden Aromen, insbesondere Tropenfrüchte, Maracuja und Ananas, ein bisschen Honig und Kräuter. Mineralität, so er je welche hatte, konnte ich nicht mehr feststellen. Im Geschmack sehr mild und cremig mit geschmeidiger Säure. Wer gereifte Weine mag, findet hier ein sehr gelungenes Beispiel.

Caves de Pouilly-Fumé, Tonelum Des Vignerottes 2009
Pouilly-Fumé AC
Frankreich/Loire

Weiß; Sauvignon Blanc
13% Alkohol; Ausbau mit ein bisschen Holz

 

Château Bonneau von 1979 — ein Selbstversuch

Wein

Kann ein einfacher Bordeaux, zwar ein Haut-Médoc Cru Bourgeois, aber kein wirklich großer Name, kann so ein Wein nach 40 Jahren noch trinkbar sein, gar mit Genuss? Wir haben ernste Zweifel, die noch verstärkt werden, als wir die fragwürdige Lagerhistorie erfahren. Der Wein stand nämlich viele Jahre seines langen Lebens einfach aufrecht in der Küche eines heute auch anwesenden Freundes herum. Der hatte mich nicht ohne schlechtes Gewissen um Rat gefragt, ob so ein Wein unter derartigen Bedingungen noch trinkbar wäre. Auf diese Frage gebe ich immer die gleiche Antwort: Man weiß es erst, wenn man ihn probiert hat.

Die Verkostung des Sonderlings ist für alle Gäste des heutigen Abends ein denkwürdiger Moment, und eine ehrfürchtige, gespannte Still breitet sich aus, als die Flasche dann auf dem Tisch steht und alle Freunde sich mit ihren Gläsern in der Hand im Kreis drum herum aufgereiht haben: Was wird passieren, wenn der Korken herausploppt?

Meine Problem als derjenige, der mit dem Korkenzieher in der einen Hand die Flasche vorsichtig in die andere Hand nimmt, war dabei eher: Ploppt der Korken überhaupt oder zerbröselt er im Flaschenhals inwendig? — Aber er hält tapfer bis auf das letzte Fünftel, das unten abreißt, aber zum Glück keine Brösel in der dunklen Flüssigkeit am unteren Ende des Flaschenhals hinterlässt. Das Haarsieb kann ich beiseite legen.

Ein so alter Wein wird nicht gelüftet, sondern sofort auf Gläser verteilt und probiert, denn oft hat er nur ein paar Minuten lang ein beseeltes Bouquet und verfällt dann rasant und scharf schmeckend dem Essig und der Oxidation. So ist es denn auch. Ein paar Minuten strömt ein betörender Bordeaux-Duft aus dem Glas, wie eine Blüte, die sich kurz öffnet. Plötzlich löst sich die Stimmung in unserer Runde und wir diskutieren darüber, was wir riechen und schmecken. Der eine findet Zimt, der andere getrocknete Pflaumen oder Datteln. Über das edle Barrique sind sich alle einig und der Bonneau von 1979 hinterlässt uns einen deutlichen Eindruck seines alten Charmes. Ein bisschen Phantasie gehört dazu, ein paar Schlücke mit Ehrfurcht, dann geht er dahin und ein immer deutlicher sich durchbeißender Essigstich befördert seinen Rest in Kochweinecke.

Dennoch sind sich alle Anwesenden einig, dass der kurze Genuss bedeutender erschien, als erwartet. Wir fanden edle Aromen, einen feinen Geschmack und eine große Erleichterung, dass der Inhalt der Flasche noch nicht komplett verdorben war und seinen Sinn und Zweck nicht verfehlt hat, trotz sämtlicher widriger Umstände, eine Erleichterung ähnlich wie nach dem Besuch eines als schwierig geltenden Films, bei dem einen vorher begründete Bedenken quälen, dass er einem gefällt. Dann war es aber doch, obwohl die Bedenken sich zum Teil bewahrheitet haben, insgesamt ein toller Abend.

 

Gutturnio vom Aldi

Wein

DSC_0013Mit etwas Erstaunen bin ich beim Aldi über eine Flasche Gutturnio in der Restekiste gestolpert, der sich in der Angebotszeit trotz des hübschen Etiketts offensichtlich nicht verkauft hatte und den der Filialleiter nun preislich etwas herabgesetzt hat. Das wundert mich nicht, denn Gutturnio aus der Emilia-Romagna ist hierzulande nur bei wenigen Weintrinkern bekannt und selbst regelmäßige Sommergäste an der Adria stoßen dort eher selten auf diese Cuvée aus Barbera und Bonarda. Barbera ist vielen Weinfreunden ein Begriff von Weinen aus dem Piemont insbesondere Barbera d’Asti. Wenige verbinden diese Sorte aber mit Roten der Emilia-Romagna. Bonarda ist insgesamt hingegen weitgehend unbekannt und steht für verschiedene Traubensorten, in der Emilia für Uva rara, so schreibt es der kleine Johnson. Auf dem Etikett der Flasche finden sich bei den Standard-Angaben, die jeden Aldi-Wein zieren, hingegen Barbera und Croatina angegeben. Croatina wird laut Johnson auch manchmal Bonarda genannt, allerdings eher im Oltrepò Pavese in der Lombardei. Wer hat sich geirrt? Der Winzer? Der Autor des Johnson? Der Einkäufer beim Aldi? – Ein Blick auf die Homepage der Cantina in Villò di Vigolzone in den Colli piacentini löst das Rätsel auf: 60 Prozent Barbera und tatsächlich 40 Prozent Croatina.

Nun gut, geschmacklich zeigt sich der Wein von 2016 als ein sehr typischer Norditalienischer Roter und als ein klassischer Barbera, ungestört von der beigemischten Croatina/Bonarda: Er schmeckt säurebetont, würzig, hat wenig Tannin, aber hat einen ganz leicht bitteren Abgang. Auf der Zunge moussiert er zart und wiegt die Säure mit einer feinen beerigen Süße auf. Aromen: Himbeere, Kräuter leicht mineralisch und ein wenig Holz. Wer das mag – ich zum Beispiel – bekommt einen frischen, schmackhaften, ausgewogenen Norditaliener für wenig Geld.

Romagnoli, Gutturnio Colto Vitato della Bellaria  2016
Gutturnio Superiore DOC
Italien/Emila-Romagna

Rot; Barbera (60%), Bonarda (Croatina, 40%)
13% Alkohol; Ausbau im Stahltank

Überraschung mit Regent

Wein

 

Regent ist eine meiner roten deutschen Lieblingsrebsorten, denn sie besitzt viel Tannin, und mir ist ein eher kräftiger und rustikaler Landweintyp lieber, als ein süßlicher Schmeichler. Dieses Exemplar vom Bopparder Hamm bot mir eine besondere Überraschung: Ich hatte ihn am Freitag geöffnet, und wir haben die halbe Flasche getrunken. Wie zu erwarten war, ein frischer, leicht rustikaler, junger und kräftiger Roter. Die restliche Flasche hatte ich nur locker verkorkt und mir dann am Sonntag noch einmal vorgenommen. Das Ergebnis war erstaunlich, der Wein hatte sich für meine Begriffe gleich um eine Klasse verbessert. Es kamen sehr schöne Alterstöne zum Vorschein, wie getrocknete Tomaten und Karamell. Aber auch die Primäraromen waren noch sehr klar zu riechen, insbesondere Kirsche, Brombeere und schwarze Johannisbeere. Das hat eine runde, tolle Mischung ergeben.

Der Bopparder Hamm ist ein nach Süden ausgerichteter konkaver Hang am Mittelrhein, südlich von Koblenz, der insgesamt hervorragende Weine hervorbringt.

 

Volk Regent Bopparder Hamm 2016
Deutschland/Mittelrhein

Rot; Regent
13,5 % Alkohol

Mit Lisson Les Echelles ins Languedoc

Wein

Am Wochenende haben wir uns ein bisschen in das Languedoc entführen lassen. Von Iris habe ich noch eine Flasche Les Echelles gefunden, Jahrgang 2007, also stolze zehn Jahre alt. Les Echelles ist ein Bordeaux-Verschnitt, zeigt sich vom Charakter her aber ganz anders. Eher Languedoc, ein Südwein mit wuchtigem Aroma, Datteln, Tropenholz, Banane, Walnuss, schon sehr reif, orange Ränder, aber auch noch Biss, später Marzipan, Biss im Abgang, feine Säure, deutliche fruchtige Süße, sehr klare und ungewöhnliche Aromen.

Man sitzt im verhagelten Germering, im Kopf aber beginnt die Reise, man fährt bedächtig eine steinige, von Rosmarinhecken gesäumte Schotterstraße hinauf, das Seitenfenster heruntergekurbelt, riecht den harzigen Duft der Kiefern, der Zedern, hört die Zikaden sägen und schaut in den strahlend blauen Himmel über Südfrankreich.

Schöne Wettschulden

Wein

So gewinne ich Wetten am liebsten:

kiste

Besonders freue ich mich auf das Duell Château Plince und Château Goulée je 2009. Denn den einen hat Parker höher bewertet als der Weinwisser, beim anderen ist es umgekehrt: Plince (PP 88, WW 18) vs. Goulée (PP 92, WW 17). Schlecht sind beide sicher nicht. Beim Wein-Spectator sind beide etwa gleich (89-92/88-91), aber hier waren verschieden Tester am Werk.

Ich werde berichten.

Wildpastete toskanische Art

Kost, Wein

Toskanische Art deswegen, weil es von der Idee her auf einem Wildschweinragout basiert, dass ich aus der Toskana kenne, mit Rumpflaumen, Rosmarin, Orangen und Pistazien. Diese Geschmäcker lassen sich aber auch sehr gut zu einer Pastete kombinieren.

Am Vortag den Teig zubereiten und über Nacht in den Kühlschrank stellen. Den Teig am nächsten Tag aber nicht zu kalt verwenden. Am Vortag auch ein paar Trockenpflaumen in Rum einlegen.

Tarte-Teig: 450g Mehl + 300g Fett (= 1 Ei oder 3 Eigelb + 3 El Weißwein + ein Schuss Olivenöl + Butter) + Salz. Alle Zutaten kalt verwenden und schnell zusammenkneten. Kaltstellen.

Farce zubereiten aus:

400g geräuchertes Wammerl (der fette Teil)
400g Schweinefilet
400g Wild (z.B. Hirschragout)

durch den Fleischwolf drehen. Hinzu kommen: 3 Eier, 100g Wildragout in Stücken, kurz angebraten. Dann Karotten, Lauch, Schalotten, Orangenschalen von halber Orange, Thymian, Rosmarin und Salbei fein schneiden/reiben. Mit Wacholderbeeren, kurz andünsten, dann Knofi hinzu und mit den Trockenpflaumen, Rum von den Pflaumen und etwas Orangensaft ablöschen. Einkochen lassen. Gehackte Petersilie und eingelegte Pfefferkörner zufügen und etwas abkühlen lassen und zur Farce mischen.

Um den richtigen Salzgehalt festzustellen, formt man einen kleinen Probeknödel aus der Farce und kocht in kurz in Salzwasser. Nun legt man die gefettete und mehlierte Form mit Teig aus und befüllt sie mit der Farce. Oben drauf kommen Orangenscheiben, Lorbeerblätter und weitere Kräuter.

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Nun legt man einen Teigdecke drauf und verschließt die Pastete sorgfältig an den Rändern. In die Mitte kommen zwei fingerdicke Löcher, in die man noch zwei Kamine aus gefettetem Papierrollen stecken kann.

Das Ganze kommt bei 220 Grad in den Ofen. Wird der Deckel am Rand schnell dunkel, reduziert man auf 190 Grad. Garzeitpunkt ist schwer zu bestimmen. Wenn der austretende Saft abgetrocknet ist und nur noch helle Flüssigkeit sprudelt. 70 bis 90 Minuten. Ist die Pastete fertig und abgekühlt, entfernt man die Schornsteine und füllt Madeira in die Löcher. Sie sollte vor dem Genuss komplett durchgekühlt sein und schmeckt von Tag zu Tag besser.

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Als Beilage gab es klassisch eine Cumberlandsauce. Und als Wein einen deutschen Spätburgunder aus dem Tauberfranken, den Spätburgunder RR von Jürgen Hofmann aus dem Jahr 2009. Ein wahrhaft großer Wein mit viel Wucht und Eleganz. Sehr feine balsamische Töne und reife, feine Tannine. Dabei noch frisch und rund. War auch kein ganz schlechter Jahrgang. Hat mich beeindruckt und ist leider nicht ganz billig.

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Baccalà salato mit Spaghetti

Kost

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Klippfisch ist nicht Stockfisch, war die erste Lehre, die ich mit meinem Mitbringsel vom Meer aus Italien lernen musste. Baccalà salato ist Klippfisch, also eingesalzenes Fischfilet, das nicht zuvor getrocknet wird. Sonst wäre es Stockfisch. Klippfisch hat auch keine verstockte Konsistenz, sondern ist weich wie jeder Fisch. Die Norweger, so sagt man, essen kleine Klippfischstreifen roh und salzig als Snack. Das war nicht so unser Fall. Aber das folgende Rezept hat uns sehr gut geschmeckt: gebratener Baccalà mit Spaghetti. Als Basis dient eine Zwiebel-Sahne-Sauce. Trotz des Wässerns bleibt der Geschmack des Fischs relativ salzig — und zwar von innen heraus. Das macht aber den Charme dieses Gerichts aus, man sollte als Ausgleich die Sauce nur sparsam salzen.

Zutaten:
300g Baccalà salato
Öl zum Anbraten

500g Spaghetti

Für die Zwiebel-Sahne-Sauce:
4 dicke Haushaltszwiebeln
Öl
Knofi
Sherry (oder Weißwein)
Ein Becher Sahne oder Crème Fraîche oder am besten Panna da Cucina
Zitronenschale, Pfeffer, eventuell Melisse, Kapern etc.

Zubereitung: Zuerst braucht der Fisch Zeit: 48 Stunden, in denen er gewässert wird. Dabei das Wasser morgens und abends erneuern.

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Anschließend trockentupfen, Restgräten entfernen und in Streifen schneiden.

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Während der Fisch trocknet die Sauce zubereiten: Die Zwiebeln sehr fein würfeln und in Fett dünsten — allerdings nicht zu heiß. Die Zwiebeln sollen komplett zerfallen, aber keinesfalls bräunen. Das dauert bestimmt eine halbe Stunde und der Koch muss stetig rühren. Dann den Knofi und die Zitronenschale kurz mitdünsten und mit etwas Sherry abgießen. Den Sherry und die Zwiebelmasse einkochen lassen und wieder ablöschen. Insgesamt drei Mal. Dann mit Sahne aufgießen, wer Panna da Cucina kriegt, ist von der Konsistenz her im Vorteil. Wieder einkochen lassen.

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Das Ergebnis ist gar nicht scharf-zwiebelig, sondern mild und süßlich. Weiter köcheln lassen. Wenn die Sauce zu dick geworden ist, kann man sie später gut mit dem Nudelwasser etwas strecken. Dann erst sparsam salzen.

Jetzt das Nudelwasser aufsetzen. Wenn man die Spaghetti ins kochende Wasser gegeben hat, wird der Fisch kurz angebraten. Das sollte recht heiß erfolgen, da er schnell zerfällt, aber etwas Farbe bekommen muss.

Nudeln servieren mit Sauce, Fisch, Pfeffer, Melisse und Kapern garnieren.

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Als Wein empfiehlt sich ein kräftiger, gut strukturierter Weißer, der gerne etwas Prozente und ein bisschen Fasseinsatz zeigen darf. Wir hatten gut passend einen 2008er Insolia von Cusamano aus Sizilien (Name: Cubià).

Spätzle mit Walnuss-Topinambur-Sauce

Kost, Wein

Ich trau es mich kaum zu sagen, aber der Topinambur macht die Nusssauce nussiger… Aber fangen wir von vorne an. Aufgrund einer vegetarischen Mitesserin war ich auf der Suche nach einem Speckersatz bei diesem Rezept. Tatsächlich habe ich mit Topinambur eine wunderbare Alternative gefunden, denn er bekommt kleingeschnitten und geröstet eine ähnliche kernige Konsistenz wie der Speck und hat ebenfalls einen eigenen, sehr würzigen Geschmack, der dem etwas schwerfällige Walnuss-Pesto den richtigen Kontrapunkt gibt.

Zutaten
Walnusskerne
Topinambur
Knofi
Öl
Salz, Pfeffer
Petersilie

Spätzle (wie hier)

Rezept:
Diesmal hab ich die Kerne im Ofen geröstet. Das hat zwei Vorteile: Sie bekommen einen raffinierten Geschmack und man kann die etwas bittere Haut abziehen. Wenn man fertige Kerne kauft, hat man dieses Problem freilich nicht. Dann die Kerne fein pürieren.

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Der Topinambur wird geschält, was etwas sperriger ist als bei Kartoffeln, und dann in feine Würfel geschnitten. Diese in Öl langsam rösten, bis sie schön goldbraun geworden sind. Schließlich den fein gehackten Knofi zufügen und kurz mitdünsten.

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Wichtig: Den Topinambur nicht mitpürieren, sonst geht der kernige Effekt verloren. Alles zusammenrühren und mit Petersilie, Salz und Pfeffer abschmecken.

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Nun kocht man die Spätzle. Wenn sie fertig sind, fügt man so viel Kochwasser in den Walnussbrei, bis die gewünschte sämige Konsistenz entstanden ist.

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Da es sich doch um ein stark toskanisiertes schwäbisches Rezept handelt, tranken wir einen Rosso di Montalcino 2009 von La Poderina, allerdings im Schwabenbecher. Das hat ihm nicht geschadet. Er ist inzwischen sehr mild, zeigt noch ein bisschen Biss, pflaumige Noten und der Alkohol mit 13,5% ist sehr gut eingebunden.

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Geröstete Kutteln del Nonno Carlo und Lambrusco (Weinrallye 57)

Kost, Wein, Weinrallye

Es gab in der Facebook-Gruppe zur Weinrallye eine gewisse Unsicherheit gegenüber dem Kombinieren von kulinarischen Genüssen mit Wein. Das hat mich ziemlich verwundert, denn ich selbst bin über das Essen und Kochen zum Wein gekommen und nicht umgekehrt. Die Frage, welchen Wein biete ich zum Essen an, stand irgendwann quasi von alleine im Raum und ich musste mich ihr stellen. Das empfand ich durchaus als Herausforderung und stürzte mich mit Hilfe von Jens Priewe, Huge Johnson und Paula Bosch in die theoretischen Grundlagen. Gleichzeitig setzte eine Phase des Experiments ein, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Die Frage, welcher Wein passt zu welchem Essen, stellt sich jeden Tag in der Küche neu und eine konsistente Antwort gibt es nicht. Die Wahl erfordert vielmehr Phantasie, Erfahrung, Neugier, Mut und insbesondere Witz. Der Wein fügt sich als weitere Zutat und besondere Würze ins Gesamtkonzept des Abends. Erst am Schluss weiß man, ob die Paarung gelungen ist.

Ich erinnere mich an eine lebhafte Diskussion mit Ex-Weinschreiber Lars in einer Münchner Weinbar, ob jeder Wein zu einem Essen passt. Lars vertrat die Auffassung, es gibt immer eine ideale Kombination, und das hat er in seinen Blogbeiträgen immer akribisch versucht zu verwirklichen: die Punklandung. Unvergessen ist mir das Ossobuco und der Brunello. Ich tendiere nach wie vor eher zur Auffassung, ein Essen ist keine Weinprobe und würde den Brunello frühestens zum Käse oder als Absacker entkorken. Für mich ist ein Essensbegleiter zurückhaltender und stimmt sich mit einer Grundkomponente in den Gesamtklang: Säure zum Fisch oder Tannin zum Rind. Bestenfalls fügt er noch eine deutliche Würznote hinzu: Orange zu Krabben oder Johannisbeere zum Wild. Dafür muss man natürlich eine sehr genaue Vorstellung vom infrage kommenden Wein haben. Mit Experimenten bin ich inzwischen vorsichtiger, gerade wenn Gäste kommen.

Aber heute ein Experiment: Als Beitrag zur 57. Weinrallye, ausgetragen von Hundertachtzig Grad, paare ich zwei Außenseiter: Kutteln und trockenen Lambrusco. Prinzipiell habe ich Probleme mit Kutteln, aber mein Großvater liebte sie schwäbisch, geröstet mit einem Ei übergossen. Alle paar Jahre überkommt es mich und ich schlage zum Ärger meiner Familie zu.

kutteln

Zutaten:
Vorgekochte Kutteln
Zwiebel
Thymian
Ei
Petersilie
Salz und Pfeffer

Die Kutteln gut putzen, Fettreste entfernen und in sehr dünne Scheiben schneiden. Dann in einer Pfanne die Zwiebeln kurz andünsten, dann die Kutteln und den Thymian hinzu. Scharf anrösten, wenn die Kutteln anfangen zu bräunen, die Hitze leicht reduzieren. Alles solange brutzeln lassen, bis die Kutteln rund herum schön dunkelbraun geröstet sind. Salzen, pfeffern und das verklepperte mit gehackter Petersilie gewürzte Ei drüber gießen und stocken lassen. Das ist die einzige Art, in der ich Kutteln erträglich finde.

lambrusco

Die Wahl des Weins war ein Volltreffer. Trockenen Lambrusco bekommt man in Deutschland selten, meiner ist tatsächlich aus Italien mitgebracht, obwohl es der Wein der Emilia-Romagna ist, der Heimat von Tortellini, Spaghetti Bolognese, Parmesan, Balsamico und Parmaschinken. Nur der prickelnde Lambrusco ist nicht mit über die Alpen geschwappt. Ich hatte einen Lambrusco Grasparossa di Castelvetro DOC von Righi, sehr geschmackvoll, intensive Himbeeren, prickelnd, etwas herb, beerig-süß und sehr rund. Nicht zu aufdringlich, um den Geschmack des Essens zu übertönen, aber mit der deutlichen herben Note die Kutteln gut in Schach haltend. Die Himbeeren haben dem Gesamterlebnis eine Note hinzugefügt, etwa wie Preiselbeeren zu Wild. Ein kräftiger Weißwein im Barrique ausgebaut hätte vielleicht auch gepasst.

Kochblog-Event 76: Zweierlei Pfitzauf

Backen, Kochblog-Event, Kost

Zorra feiert Geburtstag, sieben Jahre Kochtopf-Bloggen mit immer spannenden, monatlichen Blog-Events. Bei Ausgabe 76 ist sie angelangt und schreibt selbst: „Nach 75 Events war es nicht so einfach, ein Thema zu finden„. Das glaube ich gerne und wundere mich immer wieder, dass ihr (oder anderen Event-Ausrichtern) immer noch etwas einfällt. Mich persönlich würde es auch nicht stören, wenn man ein älteres Thema noch mal aufwärmt. Alle Teilnehmer haben im Laufe der Jahre dazugelernt und haben verbesserte Rezepte oder neue Kreationen. Gratulation jedenfalls! Auf die nächsten sieben Jahre!

Zu Party sucht sie nun Luftiges und Schaumiges.  Ich habe eine Zeit lang an Sorbets und Soufflés herumgedacht, bis mir die guten, alten, schwäbischen Pfitzaufs eingefallen sind. Die sind bei uns eine echte, seit vielen Generationen überlieferte Familientradition. Man benötigt zur Zubereitung eine spezielle Form, ich habe eine von meiner Urgroßmutter geerbt und vor ein paar Jahren eine weitere bei eBay ersteigert, da uns sechs Pfitzauf nicht mehr ausgereicht haben. Eigentlich ist Pfitzauf eine Nachspeise, aber in Anlehnung an Gougères habe ich mir eine Variante mit Käse ausgedacht, die auch sehr lecker ist. Man lässt den Zucker weg und rührt etwas geriebenen Emmentaler hinein. Das funktioniert sehr gut. Im Ergebnis gehen Pfitzauf stark auf, sind sehr luftig, außen knusprig, innen aber weich und saftig. Leider ist es etwas tückisch, den richtigen Punkt zu treffen.

Rezept für sechs Pfitzauf:

200g Milch
150g Mehl
3 Eier
2 EL Zucker (oder etwas geriebenen Käse)
Schale von 1/2 Zitrone
30g Butter (+ Fett für die Form)

Milch in eine Rührschüssel geben, Mehl dazu und gleichmäßig einrühren. Immer an einer Stelle rühren, dann bilden sich keine Klümpchen. Die drei verquirlten Eier hinzu, Gewürze und zum Schluss die zerlassene Butter. Dir Formen sehr gut einfetten, Teig verteilen und zum Schluss eine Messerspitze Butter auf jede Portion.

Den Backofen vorheizen. Ich backe beide Formen mit Umluft bei 170 Grad. Und zwar eine Stunde und fünf Minuten. Temperatur und Zeit hängen sehr stark vom Ofen ab. Zu kurz und sie fallen zusammen, zu lange und sie trocknen aus, zu heiß und sie werden schwarz, zu kalt und sie gehen nicht auf. Während des Backens keinesfalls die Klappe öffnen, aber man kann die Temperatur zwischendrin anpassen. Und man muss sich auf ein oder zwei misslungene Versuche einstellen.

Das hat gepasst. Dazu gab es einen luftigen Wein, einen Pignoletto, den ich aus der Emilia-Romagna mitgebracht habe. Diese Art Wein bekommt man hierzulande leider selten Er entspricht am ehesten einem Prosecco Frizzante, moussiert also leicht, und ist ein feiner, frischer, blumiger, relativ leichter Wein für alle Tage.

Il Poggio, Pignoletto dell’Emilia
Pignoletto dell’Emilia Frizzante IGT (ohne Jahr)
Italien/Emilia Romagna

Weiß; Pignoletto
11,5% Alkohol; kein Fass

Tafelwein, Landwein und Qualitätswein am Ende

Wein

Die Weinprofis wissen es wahrscheinlich schon, mir war es neu. Die deutschen Klassifizierungen für Wein werden zum Jahresende ersetzt durch EU-einheitliche:

Tafelwein -> Wein

Landwein -> Geschützte geografische Angabe (GGA)

Qualitätswein -> Geschützte Ursprungsbezeichnung (GU)

Die Prädikate Kabinett, Spätlese, Auslese etc. bleiben erhalten und werden an das GU angehängt. In anderen Ländern sieht es ähnlich aus. Gerade der Vin de Pays wird mir fehlen. Vin de Pays ist doch viel plastischer als IGP (Indication géographique protégée).

Weinrallye 47: Wein gegen das Zerbrechen

Wein, Weinrallye

Hier ist es etwas stiller geworden, ich bin viel mit anderen Dingen beschäftig, ganz einstellen möchte ich dieses Projekt aber nicht. Die 47. Weinrallye, ausgetragen vom Winzerblog, gibt mir Gelegenheit wieder einmal einen Wein vorzustellen. Es ist ein Social-Wein, denn ein Drittel des Einkaufspreises unterstütz die sehr hübsche Staufener Altstadt im Markgräfler Land, die im wahrsten Sinn des Wortes zerbricht. Durch ein Geothermiebohrung ist Wasser in eine Gipsschicht unter der Stadt gedrungen, und diese Schicht saugt sich nun voll, bläht sich auf wie ein Hefezopf. Die darüber liegende Stadt hebt sich seitdem um bis zu einen Zentimeter im Monat an, an manchen Stellen bis zu 16 Zentimeter insgesamt. Viele Gebäude haben dicke Risse bekommen, die man deutlich sieht, wenn man durch das Städtchen läuft. Ein Beispiel aus dem Inneren eines Gebäudes:

Laut einer Pressemeldung der Stadt vom 21. Juli 2011 nimmt die Hebung aber nicht mehr so stark zu, die Tendenz ist rückläufig. Insgesamt sind 262 private und 7 städtische Gebäude beschädigt. Zur Rettung der Altstadt gibt es eine Initiative Staufen darf nicht zerbrechen, an der sich auch die Winzergenossenschaft vor Ort beteiligt (PDF). Dort gibt es eine spezielle Weißwein-Cuvée, die neun Euro kostet, von denen drei an die Initiative gehen . Ich habe mir drei Flaschen gekauft und gestern die erste probiert.

Der Wein ist jung und frisch, Jahrgang  2010, noch nicht lange abgefüllt. Zitronig-würzige Aromen dominieren: Zitrone, Limette, Melisse, Apfel und weiße Johannisbeere, aber auch etwas Stachelbeere und Rose. Der Auftakt ist spritzig mit frischer Säure, und die Aromen zeigen sich fein und voll am Gaumen. Ein halbes Jahr liegen tut ihm sicher noch gut, um ihn abzurunden. Irgendwie, denke ich, steckt ein Burgunder drin, Gutedel wahrscheinlich, vielleicht etwas Müller-Thurgau. Mir schmeckt er jedenfalls und ist die sechs Euro allemal und auch die Neune Wert.

Weinrallye 41: Eichen-Sandwich

Wein, Weinrallye

Das Thema der aktuellen Weinrallye bei Bernard Fiedler hat mir sofort zugesagt, denn ich bin ein großer Freund des diskutierten Weintyps (Sandwich-Weine) mit einem Lagerpotenzial von drei, fünf, vielleicht auch sieben Jahren. Denn derartige Weine sind oft nicht so teuer, gewinnen aber deutlich hinzu und lassen sich leichter lagern, da es bei diesen kurzen Zeiten nicht so sehr auf ideale Kellerbedingungen ankommt.

Einer meiner Favoriten ist der Dogajolo, den ich zugegebener Maßen bereits einmal bei einer Weinrallye vorgestellt hatte, den Etikettentrinkern. Damals (2008) war es ein 2003er, also fünf Jahre alt. Sehr gut hat mir auch der 2004er im Jahr 2010 geschmeckt. Heute habe ich einen 2006er im Glas, also grad eben fünf Jahre alt. Er scheint mir noch etwas herber zu sein, und noch nicht ganz so mild und rund wie die anderen beiden.

Im Aroma dominiert die Fasswürze, Rauch feines Holz, Bleistift, Zimt, getrocknete Beeren, Rose. Erst später öffnen sich die Kirsche, Cassis und Wachs. Der Auftakt ist bissig mit frischer Säure und noch deutlichen Tanninen am Gaumen. Im Geschmack ist er warm, leicht süß, hat einen mittelschweren Körper mit langem Abgang. Ich denke, in zwei Jahren werd ich ihn noch mal probieren, in der Hoffnung, dass er dann so rund und reif wie die oben beschriebenen geworden ist. Der Jahrgang sollte es hergeben.

Vom Charakter ist es ein Wein, der jung sehr zugänglich ist mit viel Frische und Biss, im Mittelstadium aber langweilig wird und erst im Alter wieder gewinnt.

Carpineto Dogajolo
Toscano IGT
Italien/Toskana

Rot; Sangiovese und Cabernet Sauvignon
13 % Alkohol; Ausbau im Fass