Goldener Windbeutel für Etikettenschwindel

GenFood und JunkFood, Kost

Beo Heimat Apfel & Birne„, steht vorne drauf, von Apfel und Birne findet sich aber keine Spur. Stattdessen Zucker und Aromen. Bertolli bewirbt die Nudelsauce Gegrilltes Gemüse mit „verbesserter Rezeptur„, in Wirklichkeit hat sich die Zusammensetzung verschlechtert und enthält mehr Aromen und Geschmacksverstärker. Mir ist es einmal bei einem Frischkäse aufgefallen, den der Hersteller mit „Jetzt noch cremiger“ bewarb und und gleichzeitig mit Quellmittel ohne Nährwert verlängerte.

Bis zum 22. April können Verbraucher nun bei Abgespeist die dreisteste Verbrauchertäuschung des Jahres wählen. Der Sieger erhält den Goldenen Windbeutel. Obwohl ich die Idee im Prinzip sehr gut finde, stört mich das Symbol. Es ist unglücklich gewählt, denn ein Windbeutel ist  ja zumeist mit etwas sehr Gutem gefüllt.

Abgespeist: Trügerische Landliebe im Discount

Kost

Durch eine Pressemeldung wurde ich auf die Seiten der Lebensmittelaktivisten von Foodwatch aufmerksam. In deren aktueller Kampagne geht es gegen Landliebe Landmilch von Campina. Die Kämpfer für bessere Lebensmittel kritisieren, dass Campina für ein Qualitätsprodukt wirbt, den Mehrpreis aber nur in sehr geringem Umfang an die Bauern weiter leitet: „Den Mehrpreis von 50 Cent je Liter gegenüber Discounter-Milch begründe der Campina-Milchkonzern mit unüberprüfbaren Werbeversprechen wie ‚artgerechter Tierhaltung‘, ’strengen Kriterien der Babynahrung‘ und ‚ausgewählten Bauernhöfen‘. Weniger als ein Prozent davon kommt jedoch nach Foodwatch-Recherchen beim Bauern an. “

Gegenüber Spiegel-Online gestand eine Sprecherin von Campina ein, den Bauern nur 37 Cent pro Liter zu geben. Bei dem Aufpreis, den der Kunde bezahlt, wären laut Foodwatch aber 60 gerechtfertigt. Landliebe führt ferner kein Bio-Siegel oder ähnliches, so dass die Versprechen auch keiner staatlichen Kontrolle unterliegen. „Wer Landliebe-Trinkmilch kauft, bezahlt für ein ausgebufftes Marketingkonzept, nicht aber für bessere Milch“, ärgert sich Kampagnenleiterin Anne Markwardt. Wem es ebenso ergeht, kann sich an einer E-Mail-Protestaktion beteiligen.

Auf der Seite Abgespeist von Foodwatch finden sich weiterer Kampagnen. Zum Beispiel wirbt Maggi-Natur-Pur mit „Ohne Geschmacksverstärker“. Dem Produkt ist aber Hefeextrakt zugefügt, der durchaus glutamathaltig ist, aber nicht als Geschmacksverstärker deklariert werden muss.

Oder die sehr beliebte „Extra-Portion Milch“ von Kinderriegeln. Abgespeist hat ausgerechnet, dass ein Kind 13 Riegel für den täglichen Kalziumbedarf essen müsste „und hätte damit dann auch 48 Stück Würfelzucker und ein halbes Paket Butter verspeist.“ Gesund ist das wohl nicht.