Alpha-Blogs abgehoben

Bloggen und Medien

Gerade kocht in den Kommentaren des Winzerblogs der Streit, nach kleineren Vorläufern in anderen Blogs, zwischen den so genannten Alpha-Bloggern und den Normalos. Das ist Teil einer Entwicklung, die in anderen Themenbereichen und insbesondere in den USA und Frankreich schon weiter gediehen ist. Manche Blogs professionalisieren sich, schließen Netzwerke und wollen gemeinsam den Kampf um den frischen Werbekuchen im Internet aufnehmen. Gegner sollten dabei die klassischen Medien sein, die auch nicht schlafen, und nicht die anderen Blogger. Sonst geht eine Schere auf, die ich für alle Teilnehmer für nachteilhaft empfinde.

Für legitim halte ich:
– Mit dem Blog Geld zu verdienen
– Sich als Werbevermarkter zusammenzutun
– Sich zu professionalisieren und sich de facto abzuheben
– So viele Besucher wie möglich anzulocken
– Andere Besucher als die aus der Blogosphäre anzusprechen

Für nicht legitim halte ich
– Die kleinen erklärtermaßen nicht mehr zu verlinken, denn auch die Links der kleinen sorgen für eine gute Rivva-Bewertung der großen. Wer einen Blog liest, sollte diesen hin und wieder kommentieren oder verlinken, jenseits aller Klickpolitik. Das ist Sache der Fairness.
– Überheblichkeit gegenüber den kleinen Blogs, denn die haben die großen erst groß gemacht. Oft haben kleine Blogs einen anderen Wert, Authentizität bei einem Winzer oder einer Winzerin, von denen keiner professionelle Berichterstattung erwartet; Meinung bei anderen Weinkennern, die man als Ratgeber schätzt; Darstellung, die bei vielen kleinen Blogs liebevoller stattfindet, als bei den abgebrühten  Profis. Es gibt sicher noch mehr, was man hier aufzählen könnte.
– Versuche, nicht als Blog zu wirken, denn damit verlässt man den Nährboden
– Und, auch das sei gesagt, nur deshalb auf die Leithammel zu schimpfen, weil man selber gerne einer wäre.

Um es auf den Punkt zu bringen, es geht nicht um das Was sondern das Wie. Etwas mehr Fingerspitzengefühl würde nicht schaden, dann fiele es vielen einfacher, den großen ihren Erfolg zu gönnen. Diesen Standpunkt habe ich auch in persönlichen Gesprächen bereits vertreten.

(Hausmannskost 2.0 bleibt nichtkommerziell und unabhängig.)

Nachtrag: Erst jetzt habe ich gesehen: Viva Vino und Originalverkorkt haben ebenfalls Stellung bezogen.

Südafrika-Rauschen im Bloggerwald

Bloggen und Medien, Wein

Thomas ist im Winzerblog aufgefallen, dass in letzter Zeit viel über südafrikanischen Wein geschrieben wurde, und er fragt sich: „Ich bin ja nur Kellermeister, trotzdem frage ich mich ob das wirklich Zufall ist?“. In der anschließenden Diskussion schienen sich die Beteiligten, darunter auch Südafrika-Fan Mario Scheuermann, erst einmal einig, dass es sich nicht um eine gezielte Werbekampagne handelt: „Was ist daran erstaunlich, wenn in Südafrika eine der wichtigsten Weinmessen der südlichen Hemisphäre stattfindet, und Kollegen berichten darüber?“, fragt Scheuermann.

Doch dann wendet sich plötzlich die Diskussion, als sich Petra Mayer von der deutschen Presseagentur Südafrikas zu Wort meldet und auf die Frage von Thomas: „Es scheint manchmal so, als ob Trends gesetzt werden, aber keiner weiß von wem?“, antwortet: „Also Zufall ist das sicher nicht, verehrter Winzerblogger. Wenn Sie wirklich das Geheimnis lüften wollen, dann wäre ich vielleicht die Person die Ihnen verraten kann, wie es geht.“ Selbstbewusst fährt sie fort: „Es werden in den kommenden Monaten einige Artikel über südafrikanische Weine erscheinen“.

Das Fazit von Thomas lautet, „Im Grunde genommen beantworten Sie ja alle Fragen von selbst“. Leider sagt Frau Mayer nicht, wieso sie sich so sicher ist, auch auf meine Nachfrage nicht. Der Ton ihres Statements lässt keinen Zweifel daran, dass sie vom Erfolg ihrer PR-Kampagne überzeugt ist. Dennoch muss sie zugeben: „Leider ist es mir nur noch nicht gelungen, ein deutsches Weinland von unseren Ideen und Ansätzen zu überzeugen.“

Ich persönlich, als Journalist, meine, dass PR-Leute ihren Einfluss oft überschätzen. Gelingt eine Kampagne, klopfen sie sich auf die Schultern, misslingt sie jedoch, gibt es tausend Gründe, warum. Die Kampagne mag noch so gut sein, wie sie will, wenn der Inhalt nicht stimmt, also das wofür hier geworben wird, so herrscht Windstille im sonst zügigen Blätterwald. Das sei allgemein gesagt. Ich beziehe es nicht auf südafrikanischen Wein, gegen den ich nichts einzuwenden haben. Aber wenn wir künftig etwas über südafrikanischen Wein lesen, wissen wir wenigstens, warum.